Tausend und eine Falte

Akira Yoshizawa zum 101.
Tausend und eine Falte

Von Martina Pock


Mit gefaltetem Papier ins Museum: Akira Yoshizawa revolutionierte mit seinen Ideen die uralte Tradition des Origami. 50.000 neue Faltmodelle und ein System für Faltanleitungen stammen von ihm. An diesem Mittwoch wäre Yoshizawa 101 Jahre alt geworden. Google ehrt den Origami-Künstler dafür mit einem Doodle.

Aus einem quadratischen Blatt Papier ein zwei- oder dreidimensionales Kunstwerk zu falten, das ist die hohe Kunst des Origami. Viele, die sich daran versuchten haben, sind kläglich gescheitert. Dabei gibt es unzählige Bücher und Anleitungen, die Abhilfe leisten. Akira Yoshizawa ist es du verdanken, dass es mittlerweile jedem möglich ist, Vögel, Schmetterlinge und andere kunstvolle Gegenstände zu falten. Der Japaner entwickelte ein eigenes System für gedruckte Faltanleitungen. Damit war es erstmals möglich auch komplexe Modelle aufzuzeichnen und weiterzugeben.

Lange Zeit waren im Origami nur einige wenige Faltmodelle bekannt, wie etwa der Kranich. Erst Akira Yoshizawa durchbrach die traditionellen Vorlagen und schuf mehr als 50.000 neue Modelle. Sein System aus einfachen Diagrammen bildet die Basis für das "Yoshizawa-Randlett-System", die heute übliche Notation für Faltanleitungen. Dabei werden die einzelnen Faltschritte mit Hilfe von verschiedenen Pfeilen und Linien dargestellt.

Daneben entwickelte er auch noch eine Reihe an neuen Falttechniken, wie das sogenannte Nassfalten. Hierbei wird das Papier vor dem Falten benetzt, damit ist es möglich auch runde und plastische Formen zu falten.

Akira Yoshizawa wurde am 14. März 1911 in Kaminokawa als Sohn von Bauern geboren. Im Alter von 13 Jahren ging der gelernte Schmied nach Tokio und nahm eine Stelle in einer Fabrik an. In den 1930er Jahren wurde er zum technischen Zeichner befördert und unterrichtete seine Lehrlinge mittels Origami, bis er 1937 kündigte, da er sich dazu entschlossen hatte, ausschließlich als Origamikünstler zu arbeiten. Die nächsten 20 Jahre verbrachte er in großer Armut und versuchte sich mit kleinen Jobs über Wasser zu halten.
Weltgrößte Origamiausstellung im Pariser Louvre

Im Zweiten Weltkrieg war Yoshizawa als Sanitäter in Hong Kong stationiert. Bei seiner Arbeit in einem Lazarett faltete er kleine Origamifiguren, um damit die verletzten Soldaten aufzumuntern. 1944 erschienen erstmals Werke des mittellosen Künstlers im Buch "Origami Shuko" von Isao Honda. Sein Bekanntheitsgrad wurde dadurch maßgeblich gefördert. 1954 veröffentliche Yoshizawa schließlich eine Monographie mit dem Titel "New Origami Art".

Noch im selben Jahr gründete Yoshizawa das "International Origami Centre" in Tokio. 1998 richtete er die weltgrößte Origamiausstellung im Pariser Louvre aus. Viele von Akira Yoshizawas Stücken wurden bei Ausstellungen gezeigt. Verkaufen wollte er seine Werke nie, lediglich ein paar davon wurden von ihm an Freunde verschenkt.

Origami war bereits im ersten vorchristlichen Jahrhundert - noch vor der Erfindung des Papiers - bekannt. Damals wurden noch andere Materialien, wie Stoffe gefaltet. Zu Beginn des siebten Jahrhunderts wurde das Papier von buddhistischen Mönchen aus China in Japan verbreitet, wo die hohe Faltkunst im 14. Jahrhundert ihre erste Blütezeit erlebte.

Akira Yoshizawa war zweimal verheiratet und starb am Tag seines 94. Geburtstags, am 14. März 2005, im Krankenhaus von Ogikubo an den Folgen einer Lungenentzündung.

Bild-und Textquelle:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/akira-yoshizawa-zum-tausend-und-eine-falte-1.1308399