Isigami in der Presse

NORDWEST- Zeitung  Dienstag, 09.Dezember.2014  Seite 14






Heute 09.12.2014 in NORD-WEST Zeitung Seite 14 ist einen schönen Artikel über ISIGAMI veröffentlicht. Ich bedanke mich herzlich bei Frau Regina Jerichow ( Redaktion Kultur ), für diesen tollen Artikel...
I.Apaydin



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Hamburger Abendblatt / 28.05.13 / Beilage Museumswelt Sommer 2013


Museumswelt hat ein völlig neues Gesicht 

Die Beilage, die das Abendblatt in Kooperation mit Hamburgs Museen einmal pro Quartal veröffentlicht, hat jetzt ein völlig anderes Gesicht erhalten. So war das Überschrift über die neue Beilage.
Natürlich besonders erfreulich für mich, dass die neu Beilage ein Artikel über mich und mein Kunst "ISIGAMI" veröffentlicht hat. Dafür bedanke ich mich herzlich den Herr Matthias Gretzschel, den verantwortlichen Redakteur. 





      



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HANDMADE KULTUR                                                             14. Januar. 2013


In der Januar/März 2013 Ausgabe des Magazin Handmade Kultur hat  Helene Roolf  ( 36, ist  Kunsthistorikerin in Hamburg. Für HANDMADE KULTUR geht sie bei ihren Recherchen aufs Ganze. ) ein Artikel über "Isigami" veröffentlicht.

Handmade Kultur ist ein Portal, auf dem du deine handgemachten Produkte und Do-It-Yourself-Projekte ausstellen kannst. Handmade Kultur ist für Menschen, die kreativ sind und für Menschen, die auf der Suche nach Ideen, Inspiration und Anleitung sind.

HANDMADE KULTUR ist das Netzwerk für all diejenigen, die etwas selber machen.






Auf unserem Portal kannst du alles finden, was du suchst:

den Austausch mit Gleichgesinnten.
die Ausstellungsfläche für deine Projekte.
Ideen, Anregungen und Anleitungen zum Selbermachen
Kurse, also Weiterbildungsmöglichkeiten, in deiner Umgebung
Kreativblogadressen
handgemachte Geschenke und deren Bezugsquellen
einen Veranstaltungskalender mit allen relevanten Terminen der Szene und Stadtpläne mit allen wichtigen Anlaufpunkten und Adressen (...)


Hier ist der Artikel über Ismet Apaydin und sein Papier-Faltkunst "Isigami" : 


Ismet Apaydin tigert im „Hamburger Gang“, dem Flur zwischen Alt- und Neubau der Hamburger Kunsthalle, hin und her. Er ist allein, es ist ruhig, keine Besucher, denen er den Weg zu den Sonderausstellungen, dem Buchshop oder den Toiletten weisen könnte. Niemand, dessen Eintrittskarte er kontrollieren müsste. In der Hand hält der Museumsaufseher nur die Abrisse der Eintrittskarten, die er bei nächster Gelegenheit in den Papierkorb schmeißen könnte. Aber Herr Apaydin, der immer handwerklich tätig gewesen war, bevor er 2000 als Teilzeit-Aufsicht in der traditionsreichen Kunstinstitution anfing, beginnt zu basteln. Im Stehen, ohne Unterlage und Werkzeuge, knickt, faltet und rollt er die rechteckigen Papierstreifen. Keiner beobachtet den heute 56-Jährigen bei der Geburtsstunde seiner ganz eigenen Faltkunst, dem Isigami, eine Wortschöpfung aus Origami und Ismet, dem Vornamen ihres Erfinders.

Das erste vorzeigbare Isigami-Objekt ist ein kleiner, weißer Würfel. Damit hatte Ismet Apaydin im Kleinen das geschaffen und nachgebildet, was ihn 2007 an seinem Arbeitsplatz gerade umgab: den schwarzen „Cube Hamburg“ von Gregor Schneider, den dieser zur Ausstellung „Hommage an Malewitsch“ auf dem Plateau der weißen, kubusförmigen Galerie der Gegenwart realisiert hatte. „Der Falter“, wie Herr Apaydin mittlerweile von Besuchern der Kunsthalle genannt wird, faltete und schob dafür die weißen Rückseiten der Abrisse mit ihren kleinen, schwarzen Druckstreifen so gezielt ineinander, dass sich nach und nach ein schwarzes Quadrat auf einer Würfelseite abzeichnete. Den Würfel schenkt der Isigamist bei einer Begegnung dem Projektleiter der Ausstellung, Felix Krämer. Der ist erstaunt über das filigrane Objekt: „Oh, was ist das?“ – „Das schwarze Quadrat und der weiße Kubus.“ – „Wie haben Sie das denn gemacht?“ – „Mit Papierschnipseln.“ – „Nicht geklebt?“ – „Nein, das habe ich gefaltet.“ – „Dann müssen Sie mir das signieren!“ Das papierne Kleinod erregt auf dem Schreibtisch des Projektleiters die Aufmerksamkeit des Museumsdirektors Hubertus Gaßner, der sich ebenfalls interessiert zeigt. Kein Problem, Herr Apaydin faltet kurzerhand auch ihm einen weißen Miniatur-Kubus, wie er in den nächsten Jahren alle seine Kreationen verschenkt, die am heimischen Esstisch außerhalb der Arbeitszeiten zum Teil auf Wunsch von Kollegen („Isi, machst du mir ein Auto, einen Vogel, eine Katze?“) entstehen. 2011 würdigt die Hamburger Kunsthalle ihren ebenso fingerfertigen wie einfallsreichen Mitarbeiter mit einer eigenen Ausstellung: 150 Isigami-Objekte vom Krebs über den Hund bis zur Spinne und ganze Spielplatzszenen tummeln sich in den Glasvitrinen. Die Figuren, alle hergestellt aus den Resten von Kunsthalleneintrittskarten, sind über vier Monate in der Rotunde des Museums zu bestaunen – länger als jede normale Ausstellung, wie Ismet Apaydin stolz erzählt. Seine Werke sind durchaus so angelegt, dass man sie anfassen oder, wie bei der springenden Kröte, mit ihnen spielen kann. Die rechteckigen Kartenabrisse, die seine Kollegen für ihn horten, bestehen aus 180 Gramm schwerem Papier, sind damit also deutlich schwerer und strapazierfähiger als traditionelles Origamipapier.

 In den letzten Monaten sind seine Objekte raumgreifender und komplexer geworden. Ganze Architekturen wie zuletzt eine Tempelanlage mit veränderbaren Bauteilen hat die Museumsaufsicht aus Hunderten flacher Isigami-Bausteine konstruiert, die immer aus drei Abrissen bestehen. Ihm schwebt eine ganze Isigami-City vor, einzig das Platzproblem wäre bei diesem Großprojekt noch zu lösen. Es sind besonders die jüngeren architektonischen Arbeiten, die eine Brücke zurück in Kindheit und Jugend des Ismet Apaydin aus Ankara schlagen. Schon als Kind malte und zeichnete er, schnitzte sich sein Spielzeug selber und konstruierte aus Steinen und Ästen seine ersten architektonischen Visionen – Architekt zu werden war sein Berufswunsch. Mit Glück ergattert er einen Studienplatz im Fach Architektur in Ankara, studiert wegen der politischen Wirren allerdings nur zwei Semester. Das politische Chaos hatte schon während des Studiums dessen Qualität beeinträchtigt: Selbst Cutter, die man in seinem Lieblingsfach Modellbau benutzt, durften nicht mit in den Unterricht genommen werden. Noch vor dem Militärputsch in der Türkei 1980 landet der 24-Jährige in Hamburg, doch die Fortsetzung des Architekturstudiums scheitert an der deutschen Bürokratie, die ihn wie ein Pingpongball hin- und herschickt und zuletzt im Regen stehen lässt. Ismet Apaydin, der von sich sagt, dass er ein anpassungsfähiger Mensch und mittlerweile „mehr Hamburger als Türke“ sei, ist heute nach Jobs in der Gastronomie, mit Chemikalien und Asbeststaub außerordentlich froh, in der Hamburger Kunsthalle angestellt zu sein. Manchmal kommt er sogar, wenn er gar nicht arbeiten muss: „Ich bin gern hier, das ist mein zweites Zuhause“, sagt ISI und lacht.

 Autor:  Helene Roolf




 Hamburger MORGENPOST                                              Montag, 18.April 2011





                                                                     

                                                                                                 





 GEOLino                                                                    4.April 2011

      


 


Welt am Sonntag                                      06.Februar 2011                             






Die hohe Kunst des "Isigami"

Ismet Apaydin ist ein ungewöhnlicher Museumsmitarbeiter: Aus den Eintrittskarten für die Kunsthalle faltet er Papier-Figuren. Sie werden demnächst ausgestellt.

Natürlich signiert er den kleinen Frosch auch noch. "Für Tigor von Isi", schreibt Ismet Apaydin sorgfältig mit Kugelschreiber auf die Rückseite der Papierfigur. Zuvor hat er dem blonden kleinen Jungen und seiner älteren Schwester gezeigt, was für große Sprünge so ein filigranes Tier machen kann, wenn man mit dem Finger geschickt auf sein Hinterteil drückt. Tigors Mutter, mit Sohn und Tochter aus Berlin für ein paar Tage zu Besuch in der Hansestadt, freut sich ebenfalls. "Mit diesem Geschenk haben Sie auch mir eine große Freude gemacht", sagt sie. "Nun kann ich mir wenigstens in Ruhe die Runge-Ausstellung ansehen, und die Kinder langweilen sich nicht."

So ist es immer, wenn Ismet Apaydin, 54, Museumsmitarbeiter in der Kunsthalle, Kontakt zu den Besuchern aufnimmt. Dann sind die aktuellen Künstler, wie der Romantiker Philipp Otto Runge und die großartige Ausstellung seiner Werke, zumindest für einen Augenblick nebensächlich. Der schnauzbärtige Kontrolleur kann erheblich mehr als Eintrittskarten entwerten und freundlich Auskunft geben: Er ist selbst eine Art Künstler. "Isigami" nennt er seine spezielle Ausführung des Papierfaltens in Anlehnung an Origami, den aus Japan stammenden Fachbegriff.

"Habt ihr einen Moment Zeit?", lautet zumeist seine Eingangsfrage, bevor er mit unglaublicher Geschwindigkeit und Fingerfertigkeit aus den länglichen, zur Kontrolle abgerissenen Papierabschnitten der Eintrittskarten beispielsweise einen Frosch bastelt. Dazu braucht Ismet Apaydin weder Schere, Kleber oder sonstige Hilfs- und Zusatzmittel. Vor den Augen erstaunter Zuschauer faltet, kneift, ritzt, biegt, rollt und schiebt er die Abriss-Schnipsel so lange ineinander und aufeinander, bis wie aus Zauberhand und für jeden erkennbar eine Figur entstanden ist. Sechs bis sieben Minuten dauert die Fertigstellung eines einfachen Pappkameraden, wie es beispielsweise der Frosch ist. "Die kleinen mache ich fast im Schlaf", sagt Apaydin.

Inzwischen ist die Anzahl der Mitglieder seiner Papierwelt auf 150 Stücke angewachsen. Unikate alle. Unzählige hat er schon verschenkt. Nicht nur an die Besucher, sondern auch an Kollegen. "Isi, mach' mir doch bitte mal eine Katze", heißt es dann. Und Isi macht. Zum Dank sammeln die Kollegen für ihn ihre Eintrittskartenabschnitte und horten sie an abgesprochenen Plätzen. Der Mann sei eine Bereicherung für den Kunsthallen-Betrieb, heißt es unisono. Dieser Tage war sogar das ZDF mit einer Film-Crew an seinem Arbeitsplatz.

Und weil seine Papier-Figuren nicht nur schön anzusehen, sondern Produkte aus Fantasie und Kreativität sind, hat Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner beschlossen, ihnen einen Ehrenplatz zu geben. Ab dem 11. Februar, zeitgleich mit dem Beginn der Ausstellung "Unscharf" nach Gerhard Richter, werden im Foyer des Hubertus Wald Forums Vitrinen aufgestellt, in der "Isigami"-Figuren einen festen Platz finden. "Dr. Gaßner ist ein Fan von Herrn Apaydins Papierfalt-Kunst", sagt Museumssprecherin Mira Forte. "Wir verkaufen seine Stücke manchmal auch im Museums-Shop."


Natürlich nicht in großen Stückzahlen. Apaydins Tiere, Wohngegenstände, Flugobjekte, Feuerwehrautos, Prinzessinnen und Fabelgestalten sind Handarbeit, Stück für Stück inzwischen meist zu Hause in der freien Zeit gebastelt. Dort gab es allerdings zuletzt etwas Ärger. Ehefrau Gülay protestierte, nachdem auch die letzte freie Fensterbank in der Wohnung von den Falt-Kreationen des Ehemannes besetzt wurde. "Besorg dir endlich Regale. Ich muss hier vernünftig putzen können", hat sie resolut verfügt. "Also habe ich das gemacht", sagt Ismet Apaydin, kompromissbereiter Ehemann seit über 20 Jahren. Derzeit sucht er möglichst preiswert Vitrinen, um seine Schätze staubfrei und geschützt auch privat aufzubewahren.

Seit acht Jahren arbeitet der Türke schon in Teilzeit als Aufsichtskraft in der Kunsthalle. Gefunden hat er den Job per Zeitungsanzeige. Gesucht wurde Sicherheitspersonal. "Mein Problem ist von jeher, dass ich die Finger nicht still halten kann", sagt Apaydin. Also fing er in Momenten des Unbeschäftigtseins an mit Fingerübungen an Papierresten, die eigentlich Abfall waren.

Sein erstes vorzeigbares Faltstück aus dem weggeworfenen Material war ein weißer Kubus mit schwarzem Quadrat, inspiriert von der Ausstellung "Das schwarze Quadrat", eine Hommage an Malewitsch 2007. Apaydin schenkte es dem Kurator der Ausstellung, Felix Krämer. Der stellte es auf seinen Schreibtisch. Fortan wollten viele Mitarbeiter ein eigenes "Isigami".

Zufall war diese Entwicklung nicht. Der junge Ismet, geboren in Sivas in Mittelanatolien, wollte einst Architekt werden. Auch Malen war seine Leidenschaft. Doch das Leben spülte den Sohn einer Handwerkerfamilie in den Wirren türkischer Politik und politischer Unruhen als 24-Jährigen nach Hamburg. Da hatte er in Ankara gerade sein Studium begonnen, den Kopf voller Flausen. "Ich wollte unbedingt etwas bauen, damit mich die Nachwelt nicht vergisst."

Stattdessen begegnete er in jener Stadt, in der seine Schwester inzwischen mit ihrem Mann als Gastarbeiter heimisch geworden war, dem noch heute tätigen Ungeheuer Bürokratie. Obwohl er die Zulassung zum Studium mitsamt der dafür notwendigen Papiere hatte - damals gab es Vereinbarungen zwischen Deutschland und der Türkei in Sachen Studentenaustausch - scheiterte er an geltender Praxis. Ohne permanente Aufenthaltsgenehmigung kein Studienplatz und umgekehrt. "Die erste Aktion der Ausländerbehörde war, meine Zulassung zum Studium ungültig zu machen."

Ismet Apaydins Stimme wird ein bisschen lauter, wenn ihn die Erinnerungen überkommen. Aber er ist kein Mensch, der nachträgt. Die Gegenwart bestimmt das Leben. Und so hat sich der sunnitische Moslem zeitlebens verhalten. Zurück in die Türkei ist er für längere Zeit nur einmal gereist. Das war, als der Vater starb. Davor und danach hat er sein Schicksal angenommen und versucht, in Deutschland, seiner neuen Heimat, zu überleben. Dass er gut ausgebildet, kreativ, anpassungswillig war, hat damals, als er kam, niemanden interessiert. Also hat er sich durchgejobbt, im erklärten Nicht-Einwanderungsland Deutschland. Hat in der Gastronomie gearbeitet, in der Versicherungsbranche, acht Jahre war er Imbiss-Betreiber. "Man muss sehen, dass man Geld verdient", sagt er. Bleiben durfte der junge Türke damals, weil seine erste Frau eine Deutsche war. Aber auch das ist lange her.

"Ich bin ein Lebenskünstler", sagt Ismet Apaydin inzwischen selbstbewusst auf seiner professionell gestalteten Internetseite. Und: "Besuchen Sie mich auf meinem Blog." Das Träumen hat der verhinderte Architekt immer noch nicht aufgegeben. Irgendwann will er die Fassaden der Galerie der Gegenwart mit vielen Kindern neu gestalten. Stoffbahnen in vielen Farben schweben ihm dabei vor. Dass ein gewisser Christo weltweit durch seine Einpack-Aktionen berühmt wurde, stört ihn nicht. "Wer keine Träume hat, gibt sich auf", sagt Ismet Apaydin. "Und das will ich nicht."  

Autor:  Martina Goy                                                                             


DIE WELT: 06.02.2011